Eurofighter Skandal: Kam es zur Betriebsspionage durch EADS?

Verfasst von am Mo., 7.07.2014 - 11:08

Neue Vorwürfe in der Untersuchung des Eurofighter-Deals mit Österreich – Einem Bericht des „SPIEGEL“ zufolge hat sich der Flugzeugbauer EADS einen unerlaubten Wettbewerbsvorteil verschafft. In dem Bericht heißt es, dass das Unternehmen auch vor Betriebsspionage nicht zurückgeschreckt sei.

Zweifelhafte Einblicke:

Die Anwaltskanzlei Clifford Chance, die derzeit die Vorgehensweisen von EASD untersucht, soll einen internen Bericht verfasst haben, in dem Franz S., ein ehemaliger Innenrevisor des Unternehmens, eine kritische Aussage macht. Laut Franz S. Aussage sei er bereits 2007 auf „10 bis 15 Leitz-Ordner“ gestoßen, in denen detaillierte Informationen zu dem Auftragsangebot des schwedischen Flugzeugbauers Saab/Gripen nachzulesen waren.

Viele offene Fragen rund um den Eurofighter-Deal

Viele offene Fragen rund um den Eurofighter-Deal

Die Unterlagen sollen auf einen Zeitpunkt datiert gewesen sein, der weit vor dem Vertragsabschluss von EASD und dem österreichischen Verteidigungsministerium im Jahr 2002 lag. Saab/Gripen galt damals als einer der vielversprechensten Mitbewerber um den Auftrag für die Produktion der Eurofighter.

Verschwundene Dokumente & aktuelle Vorwürfe

Franz S. Gab an, seine Vorgesetzten über die gefundenen Aktenordner informiert zu haben. Bei einer späteren Einsicht waren allerdings alle Dokumente verschwunden.
Auf Nachfrage von Clifford Chance äußerten sich zwei EASD-Manager zu den Vorwürfen und bestätigten, dass es Dokumente über das Angebot von Saab/Gripen gegeben haben soll. Allerdings habe es sich nach ihren Aussagen lediglich um „20 Blatterl“ – 20 Seiten – gehandelt, die aber von einem Mitarbeiter zur Einsicht mit nach Hause genommen worden waren und seitdem nicht mehr auffindbar sind.

Weiteres Mosaik-Steinchen:

Der Skandal um die Eurofighter-Affaire zieht immer weitere Kreise. Deutsche und österreichische Anwälte haben mittlerweile diverse Indizien darauf, dass EASD bei dem Geschäft mit dem österreichischen Verteidigungsministerium immens nachgeholfen haben soll. Immerhin ging es um einen Verkauf von 15 Eurofightern im Gesamtwert von 1,7 Milliarden Euro. Den bisherigen Untersuchungen zufolge soll EASD Mitgliedern der zuständigen Ausschusskommission Schmiergeld zur Verbesserung seiner Verhandlungsposition bezahlt haben und Briefkastenfirmen zur Abwickelung eingerichtet haben.

Neue Indizien zum Eurofighter Skandal

Die neuen Indizien deuten nun darauf hin, dass EASD sogar Informationen von bestochenen Mitgliedern des Verteidigungsministeriums angenommen haben soll, um sich gegenüber der Konkurrenz einen Vorteil zu verschaffen. Da es sich allerdings noch um eine laufende Untersuchung handelt, wollte sich niemand von EASD oder den zuständigen Ermittlern konkret zu dem Thema äußern. Wenn sich allerdings herausstellt, dass EASD tatsächlich im Vorfeld über das Angebot von Saab/Gripen informiert gewesen sein soll, droht nicht nur der Leitung des heutigen Airbus-Unternehmens, sondern auch den involvierten österreichischen Ministern ein Verfahren wegen Betrug und Betriebsspionage.