Reallöhne steigen nur langsam, Inflation frisst Löhne

Verfasst von am Do., 22.12.2011 - 21:02
Die hohe Inflation frisst unsere Reallöhne immer mehr auf. Auch in 2012 dürfte noch weniger vom Einkommen im Geldbeutel bleiben.

Die hohe Inflation frisst unsere Reallöhne immer mehr auf. Auch in 2012 dürfte noch weniger vom Einkommen im Geldbeutel bleiben. Foto: photocase.com © saster

BERLIN (DerFinanzer) – Die Reallöhne sind im dritten Quartal so langsam gestiegen wie seit zwei Jahren nicht mehr. Damit werden die Löhne auch weiterhin stark von der herrschenden Inflation aufgefressen. Dem Bundesbürger bleibt damit kaum mehr im Portmonee, als in den vergangenen Jahren. Und auch in Zukunft dürften die steigenden Preise an unserem Einkommen nagen.

Die Reallöhne werden im Jahr 2011 wohl nur um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr ansteigen. Verwunderlich: Denn bis zum Frühjahr waren die Löhne noch in Begriff anzusteigen. Damals verbuchten die Deutschen 1,9 Prozent mehr im eigenen Geldbeutel. Zu Jahresbeginn waren es sogar noch 2,0 Prozent. Seit dem ist die Entwicklung rückläufig. Gleichzeitig erhöhten sich die Verbraucherpreise um 2,5 Prozent und damit so stark wie seit drei Jahren nicht mehr. Durch die hohe Inflation und den geringen Anstieg der Löhne bleibt den Bundesbürgern damit immer weniger Netto-Einkommen. Eine ähnlich schlechte Entwicklung gab es zuletzt im Krisenjahr 2009. Damals ging die Kaufkraft der Deutschen sogar um 0,4 Prozent zurück.

Auch im kommenden Jahr dürfte unser Einkommen von den geringen Verdienstzuwächsen und den steigenden Preisen zunichte gemacht werden. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung DIW sagt für 2012 zwar eine niedrigere Teuerungsrate als 2011 voraus, aber die Reallöhne sollen im kommenden Jahr in noch geringeren Ausmaßen steigen.

Trotz der Konjunkturdelle soll die Kaufkraft der Deutschen aber auch im kommenden Jahr stark sein. “Es bleibt ein reales Plus übrig”, beschwichtigt Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. “Viele Tarifanhebungen wurden in einem extrem guten Konjunkturumfeld vereinbart, treten aber erst 2012 in Kraft. Die Inflationsrate wird relativ schnell unter diese Marke fallen”, so Fichtner weiter. Laut aktuellen Prognosen des ifo-Instituts soll die durchschnittliche Inflationsrate in 2012 bei 1,8 Prozent und damit deutlich niedriger als die 2,3 Prozent in diesem Jahr ausfallen.

Schlechte Karten hätten allerdings Lohnempfänger, die ihre Einkommen erst in 2012 verhandeln, so Fichtner. “Die schwache Konjunktur begrenzt ihren Verhandlungsspielraum”, so der Konjunkturforscher. Dabei stehen im kommenden Jahr unter anderem bei Volkswagen, dem öffentlichen Dienst und der Metall- und Elektroindustrie Lohnrunden an.

Auch insgesamt wird für 2012 nur ein geringes Wachstum prognostiziert. Hauptgrund sei die vorherrschende Konjunkturflaute, die sich auch im kommenden Jahr bemerkbar machen dürfte. “Der Konsum wird weiter steigen, aber langsamer. Wegen der Verunsicherung über den Fortgang der Krise werden die Verbraucher wieder mehr auf die hohe Kante legen”, so Fichtner abschließend.

avatar (Dipl.-Kfm.) ist freier Journalist und Spezialist für außergewöhnliche Handelsstrategien und Trades. Florian Weißenstein hat an der Technischen Universität Ilmenau studiert und fokussiert sich journalistisch auf die Bereiche Blue Chips und antizyklische Marktentwicklungen.

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