EZB-Spitze: Entscheidung über Chefvolkswirt erwartet

Das Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) hat heute seine Erste Sitzung mit seinen neuen Mitgliedern Jörg Asmussen und Benoit Coeuré. In der Sitzung soll entschieden werden, wer von Beiden der Nachfolger des Chefvolkswirt Jürgen Stark wird.
Das Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) hat heute seine Erste Sitzung mit seinen neuen Mitgliedern Jörg Asmussen und Benoit Coeuré. In der Sitzung soll es darum gehen, wer von den beiden der Nachfolger des Chefvolkswirt Jürgen Stark wird. Foto: photocase.com © webbostat

FRANKFURT (DerFinanzer) – Das Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) hat heute seine Erste Sitzung mit seinen neuen Mitgliedern Jörg Asmussen und Benoit Coeuré. In der Sitzung soll entschieden werden, wer von Beiden der Nachfolger des Chefvolkswirt Jürgen Stark wird. Das berichtet die Nachrichtenagentur „AFP“ am Dienstag.

Die EZB habe sich nicht zu der heutigen Agenda geäußert, doch Asmussen und Coeuré sind Kandidaten für die Nachfolge von Starks. Jürgen Stark gab im September 2011 seinen Rücktritt bekannt. Als direkter Kandidat galt Jörg Asmussen, bis Ende 2011 Staatssekretär im deutschen Bundesfinanzministerium. Doch Ende November kam der Franzose Coeuré, Chefvolkswirt im französischen Finanzministerium, ins Gespräch. Die Entscheidung darüber, wer den Posten bekommt, hat das sechsköpfige EZB-Direktorium. Mario Draghi, dem EZB-Präsidenten, steht ein Veto-Recht zu.

Auch im neuen Jahr erreichten die kurzfristig deponierten Bankgelder bei der EZB einen Höchststand. Von Montag auf Dienstag lagerten Banken 446,3 Milliarden Euro bei der Notenbank.

EZB legt Kauf von Staatsanleihen und Bonds nahezu auf Eis

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Aufkauf von Staatsanleihen und Bonds in dieser Woche auf nur noch 19 Millionen Euro drastisch eingeschränkt.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Aufkauf von Staatsanleihen und Bonds in dieser Woche auf nur noch 19 Millionen Euro drastisch eingeschränkt. Foto: © Europäische Zentralbank

BERLIN (DerFinanzer) – Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Aufkauf von Staatsanleihen und Bonds in dieser Woche drastisch eingeschränkt. Damit reagiert die EZB auf die großangelegte Flutung der Märkte mit günstigen Zinsen für dreijährige Kredite. Den begrenzten Kauf von Staatsanleihen verteidigt die EZB mit der Stützung der Märkte. EZB-Chef Draghi betonte bereits, dass die Anleihenkäufe weder „ewig noch unbegrenzt“ stattfinden werden. So lange wie die Funktionsweise der Märkte allerdings noch beeinträchtig sind, seien die Maßnahmen aber gerechtfertigt, sagte er der „Financial Times“.

Statt stattlichen Milliardenankäufen in den vergangenen Wochen lag der Kauf von Anleihen in dieser Woche quasi auf Eis. So wurden in den vergangenen Tagen nur Papiere im Wert von 19 Millionen Euro am Markt erworben. In der Vorwoche waren es noch rund 3,4 Milliarden Euro gewesen. Marktbeobachter hatten auch in dieser Woche mit einem ähnlichen Wert gerechnet. Innerhalb der letzten sechs Monate hat die Europäische Zentralbank Bonds und Staatsanleihen von Schuldenstaaten wie Spanien und Italien im Gesamtwert von 211 Milliarden Euro aufgekauft.

Kürzlich hatte die EZB den europäischen Banken Kredite für insgesamt fast eine halbe Billion Euro zu ultraniedrigen Zinsen bereitgestellt. Die EZB wollte damit einen Beitrag zur Lösung der Kreditklemme leisten, in der die meisten Banken aufgrund der strengeren Eigenkapitalvorschriften gefangen sind. Experten haben zudem die Hoffnung, dass die Banken mit dem billigen Geld ebenfalls europäische Staatsanleihen einkaufen.

Einige Banken legten einen Teil der 488 Milliarden Euro postwendend bei der EZB wieder an. Da Banken von der EZB für eintägige Einlagen allerdings nur 0,25 Prozent Zinsen erhalten und selbst 1,0 Prozent Zinsen für das geliehene Geld bezahlen müssen, dürfte dies aber nur ein kurzfristiger Effekt sein.

EZB: Ratsmitglied Smaghi spricht sich für Lockerung aus

EZB-Ratsmitglied Lorenzo Bini Smaghi hat sich für eine Lockerung der Geldpolitik im Falle einer Deflation ausgesprochen. Zudem schließt er, weitere Aufkäufe von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank nicht aus.
EZB-Ratsmitglied Lorenzo Bini Smaghi hat sich für eine Lockerung der Geldpolitik im Falle einer Deflation ausgesprochen. Zudem schließt er, weitere Aufkäufe von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank nicht aus. Foto: photocase.com © C-PROMO.de

FRANKFURT (DerFinanzer) – EZB-Ratsmitglied Lorenzo Bini Smaghi hat sich für eine Lockerung der Geldpolitik im Falle einer Deflation ausgesprochen. Zudem schließt er weitere Aufkäufe von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank nicht aus. Das berichtet die Financial Times Deutschland (FTD) in ihrer Freitagsausgabe.

„Ich verstehe die praktisch schon religiös geführten Debatten über die quantitative Lockerung nicht“, sagte Bini Smaghi der „FTD“ in einem Interview. Um einen Rückgang des Preisniveaus zu verhindern und ihre Wirtschaft zu stabilisieren würden die US-Notenbank und die Bank of England, schon längere Zeit und in großen Ausmaßen, Staatsanleihen kaufen.

Die Europäische Zentralbank sehe, momentan keine Gefahr einer Deflation im Euroraum. Sollte sich die Situation ändern, gebe es aber keinen Grund, solch ein Instrument nicht einzusetzen, sagte Bini Smaghi. Eine Ausweitung der Eingriffe in die Märkte für Staatsanleihen durch die EZB schloss Smaghi nicht aus.

Zum Jahresende wird Lorenzo Bini Smaghi den Rat der EZB verlassen. Frankreich wollte keinen zweiten Italiener, zum neuen EZB-Chef Mario Draghi, im Direktorium akzeptieren. Vor allem da bisher kein Franzose im Rat vorsaß. Smaghi soll künftig durch den Franzosen Benoit Coeure ersetzt werden.

EZB-Chef dämpft Hoffnungen auf Anleihenkäufe

 EZB-Chef dämpft Hoffnungen auf Anleihenkäufe
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FRANKFURT (DerFinanzer) – Der Präsident der Europäische Zentralbank, Mario Draghi, glaube nicht daran, dass die Geschäftsbanken im Euroraum weiterhin Anleihen kriselnder EU-Länder kaufen werden. In einem Interview mit der britischen „Financial Times” am Montag sagte Draghi, die Banken würden selbst entscheiden für was sie die EZB-Gelder verwenden würden. Eine Erwartung von Draghi ist „dass die Banken damit die Realwirtschaft finanzieren, vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen“.

Am Dienstag wird die Europäische Zentralbank das erste von zwei angekündigten Refinanzierungsgeschäften mit einer Laufzeit von drei Jahren durchführen. Das Misstrauen der Banken untereinander sei so groß, dass sie sich gegenseitig kaum noch Geld leihen. Deshalb soll diese Maßnahme den angeschlagenen Bankensektor stärken und eine Kreditklemme verhindern.

Die Banken beziehen die zur Verfügung gestellten Mittel zu einem Niedrigzins von 1,0 Prozent. Durch „Carry Trades” auf Staatsanleihen, welche auf Zinsdifferenzen beruhen, könnten die Banken Gewinne erzielen. Staatsanleihen von Italien oder auch Spanien sind deutlich höher verzinst als 1,0 Prozent.

Draghi lehnt weitergehende Hilfen der EZB konsequent ab. Es sei an den Regierungen, mit Haushaltsdisziplin und Strukturreformen die Märkte zu überzeugen, sagte er. Die EZB wolle keine Anleihen mehr kaufen, dessen Renditeziele überschritten seien. „Geldpolitik kann nicht alles machen“, betonte Draghi. Erst am 8. Dezember hatte die EZB den Leitzins auf den Stand von 1,0 Prozent gesenkt. Zudem lockerte sie die Regeln für Sicherheiten, die Banken als Pfand für die Geldleihe bei ihr hinterlegen müssen, und halbierte die Mindestreserve der Geldhäuser.

Doch auch Experten glauben, dass die Banken diese Mittel für andere Zwecke verwenden. Seit dem griechischen Schuldenschnitt sei zudem das Vertrauensverhältnis zwischen privaten und öffentlichen Schuldnern belastet. Investoren zweifeln am Gläubigerschutz.

EZB-Chefsvolkswirt: Hitzige Personaldebatte

EZB-Chefsvolkswirt:hitzige Personaldebatte
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BRÜSSEL (Der Finanzer) – Nach einer hitzigen Debatte zur Neubesetzung des Postens des EZB-Chefsvolkswirts haben die Euro-Finanzminister wie erwartet dem  Personalvorschlag Frankreichs zugestimmt. Im Vorfeld hatte es zwischen Deutschland und Frankreich Gerangel darum gegeben, wer den Platz des bisherigen italienischen EZB-Chefsvolkswirt Lorenzo Bini Smagh einnehmen darf.

„Wir haben einstimmig die Bewerbung von Benoit Coeure angenommen“, äußerte sich Jean-Claude Juncker, Eurogruppen-Chef am Dienstag  in Brüssel. Es herrschte Einigkeit darüber, dass Benoit Coeure, bisheriger Chef-Volkswirt des französischen Schatzamtes, den Posten des Italieners Bini Smagh im nächsten Jahr übernehmen wird. Dieser muss seine Amtszeit vorzeitig beenden, da sein Landsmann Mario Draghi seit 1. November den Posten des Präsidents der Zentralbank bekleidet. Ungeschriebenen Regeln zufolge akzeptieren es die Euro-Länder nicht, sollten zwei der sechs oberen Währungshüter aus dem selben Land stammen.

Deutschland und Frankreich hatten sich eine hitzige Personaldebatte darüber geliefert, wer künftig den nächsten Chef-Volkswirt entsenden wird. Jedoch haben die Politiker keine Entscheidungsbefugnis bezüglich Personalfragen in der Zentralbank. Dies obliegt vor allem dem EZB-Präsidenten. Nichtsdestotrotz nahm die Bundesregierung für sich das Recht in Anspruch, wie bisher auch das Amt des Chef-Volkswirt zu stellen. Nach einem Zusammentreffen mit dem französischen Finanzminister Francois Baroin betonte Bundesfinanzminister Schäuble jedoch akzeptieren zu wollen, dass die EZB auch hinsichtlich Ressortverteilungen unabhängig bleibe.  „Wir vertrauen darauf, dass Mario Draghi und das Direktorium beschließen werden, was das Beste für die EZB ist.“

Griechenland-Troika streitet über Kredit

Griechenland-Troika streitet über Kredit
Foto: photocase.com © hoellisch
ATHEN (DerFinanzer) – Die Troika hat den Entwurf zum jüngsten Prüfbericht angesichts der Schuldenkrise in Griechenland unerwartet nicht gemeinsam vorgelegt. Somit droht die Troika bestehend aus Europäischer Zentralbank (EZB), EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds (IWF) zu zerfallen, wie die „Financial Times Deutschland“ heute berichtete. Hintergrund des Disputs ist die Bewertung der wirtschaftlichen Situation und zukünftigen Möglichkeiten Griechenlands.

Dabei spielt der Prüfbericht eine entscheidende Rolle bei der Rettung des Fast-Pleitestaates. Er bildet die Basis hinsichtlich der Entscheidung über den nächsten Hilfskredit von acht Milliarden Euro. Insofern die Troika keine rasche Einigung erzielt, steht die für Anfang bis Mitte November geplante Zahlung neuer Hilfsmilliarden auf dem Spiel, was beim Ausbleiben der Zahlung den sicheren Bankrott Griechenlands bedeuten würde.

Aus dem Berichtsentwurf zur Lage Griechenlands geht hervor, dass die EU-Kommission und die EZB eine möglichst rasche Bereitstellung der Milliardenkredite begrüßen. Demgegenüber zeige sich der IWF jedoch skeptisch. In seinen Augen seien die Defizitprognosen von EU-Kommission und EZB zu positiv angelegt, äußerte sich ein EU-Vertreter gegenüber der Nachrichtenagentur „Reuters“. Eine verheerende Ansicht: Zumal alle drei Institutionen der Troika die Reformbemühungen und das Sparkonzept Griechenlands als solide bewerten müssen. Ansonsten wird die nächste Kredittranche nicht freigegeben.

Nach den anhaltenden Berichten versuchte sich der IWF in Schadensbegrenzung. Ein Sprecher ließ am Donnerstag verkünden, dass der IWF weiter eng und effektiv mit den Partnern aus EU-Kommission und EZB zusammen arbeite, sodass die Auszahlung der acht Milliarden Euro wahrscheinlich wie angedacht bereits Anfang November erfolgen werde.

Finanzkrise: EZB-Chef Trichet sieht globale Ansteckungsgefahr

Finanzkrise: EZB-Chef Trichet sieht globale Ansteckungsgefahr
Foto: © The European Central Bank
BRÜSSEL (DerFinanzer) – Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) Jean-Claude Trichet hat in einem dramatischen Appell über die Möglichkeiten der globalen Ansteckungsgefahr gewarnt. Gegenüber einem Ausschuss im Europaparlament forderte er die Länder der Euro-Zone zu raschem Handeln auf. Die Schulden- und Bankenkrise Europas habe bereits „systematische Dimensionen“ erreicht, die dazu führten, dass die zuerst eher kleinen betroffenen Länder mittlerweile auch die größeren Staaten mit in die Finanzmisere gezogen hätten.

Vor dem EU-Gipfel am 23. Oktober warnt der scheidende EZB-Chef Trichet die Akteure der Europäischen Union in aller Deutlichkeit vor der Verschleppung von essentiellen Maßnahmen. „Wenn Probleme auftauchen, müssen sie so schnell und wirksam bekämpft werden wie möglich.“ In seinen Augen bestehe kein Zweifel an der Notwendigkeit, die Banken Europas zu rekapitalisieren.

Seinen letzten Auftritt als EZB-Chef im Europaparlament nutzte Trichet, um vor allem auch die globalen Auswirkungen der europäischen Schulden- und Bankenkrise aufzuzeigen. Hierbei handle es sich schon lange nicht mehr nur um ein Problem der europäischen Staats- und Regierungschefs. Vielmehr zeige sich auch auf den globalen Märkten eine große Anspannung. Da die europäische Finanzbranche stark untereinander vernetzt sei, sehe Trichet „aufwärtsgerichtete Risiken“, die eine Ausweitung der Krise zur Folge hätten. Weitere Ansteckungen bedrohen essentiell die Finanzstabilität der EU als Ganzes und beeinträchtigen die Realwirtschaft in Europa und darüber hinaus.

Der Appell von Trichet, der nur noch bis Ende des Monats das Amt des EZB-Chefs bekleidet, kann auch als Rüge gegen die beiden Schwergewichte der Union, Frankreich und Deutschland, verstanden werden. Ursprünglich war der nächste EU-Gipfel der europäischen Staats- und Regierungschefs bereits für Montag kommender Woche geplant, wurde dann aber aufgrund der Uneinigkeit von Sarkozy und Merkel um sechs Tage verschoben. Verzögerungen, die laut Trichet „die Situation nur verschlimmern“ und wertvolle Zeit verbrauchen, die eigentlich für ein politisch engagiertes Krisenmanagement aufgewendet werden müsse.

Zu einem derartigen Krisenmanagement könnte auch der Vorschlag Trichets zählen, eine sogenannte Hebelung des Euro-Rettungsschirms EFSF zu integrieren. Der Rettungsschirm müsse, unter Ausschluss der EZB, „so flexibel sein wie möglich“. Ein derartiger Hebel könnte die Schlagkraft des Rettungsschirms immens erhöhen.